Reitvorschrift vom 18.8.1937 HDV12 E. S. Mittler Verlag 1983

Teil C Ausbildung der Pferde S.123 ff

„Um alle Anforderungen, die der Truppendienst an ein kriegsbrauchbares Soldatenpferd stellt, erfüllen zu können, bedarf das rohe Pferd planmäßiger gymnastischer Durchbildung seines Körpers und sorgsamer Erziehung. Beides zusammen nennt man Dressur. Sie setzt sich zum Ziel, das Pferd zur höchsten Leistungsfähigkeit auszubilden und es gehorsam zu machen. Dieses Ziel wird nur erreicht, wenn das Pferd unter Erhaltung und Förderung seiner natürlichen Anlagen in eine Form und Haltung gebracht wird, in der es seine Kräfte voll entfalten kann. In solcher Form und Haltung wird das Pferd auch den Anstrengungen des Dienstes lange gewachsen bleiben.“

1. Gewöhnung an das Reitergewicht
a. „… Sodann muss die Remonte das Gewicht des Reiters tragen lernen, dessen Last an die gesamte Muskulatur des Pferdes eine bisher ungewohnte Anforderung stellt. Besonders haben Rücken-, Hals und Bauchmuskeln zur Feststellung der Rückenwirbelbrücke dem Drucke des Reitergewichts entgegenzuwirken. Sie sind dem rohem Pferde dazu von Natur aus häufig nicht kräftig genug. Steifen im Hals und Rücken, Vorwärtsdrängen, Auflegen auf die Zügel, Stolpern und andere Störungen in Haltung und Gang sind damit verbunden.“

2. Takt und Losgelassenheit
„ … Das Pferd soll lernen, … sich unter dem Gewicht des Reiters mit langem Halse und hängender Nase zwanglos zu bewegen. ….
Die Losgelassenheit ist daran erkennbar, dass das Pferd … das Bestreben hat, den Hals mit vorwärts-abwärtsgestreckter Nase an die aushaltende Hand heranzudehnen, …“

3. Entwicklung der Schubkraft und Anlehnung
a. Das Pferd als erstes die vorwärts treibenden Hilfen lernen…
„ Das Pferd tritt an den Zügel heran, es kommt zu einer bestimmten Verbindung zwischen Reiterhand und Pferdemaul, die man Anlehnung nennt.“
„Besteht eine richtige Anlehnung, dann kann der natürliche Gang verbessert werden.“

4. Geraderichten
a. „… Pferde von Natur schief… Eine Folge davon ist eine ungleichmäßige Zügelanlehnung. Dem ist durch Herantreiben an den zu lockeren, Nachgeben mit dem zu straffen Zügel sowie u.U. durch breitere Zügelführung entgegenzuwirken.“

5. Durchlässigkeit, Beizäumung
a. „ … Der Schub der Hinterhand kann nunmehr ungehindert bis in das Maul hineinwirken und veranlasst das Pferd, dem Drucke des Mundstücks nachzugeben, sich im Genick zu biegen und am Gebiss zu kauen,
Damit gewinnt das Pferd von selbst allmählich die Beizäumung. Auch die darf niemals durch gewaltsames Einzwängen von Hals und Kopf erstrebt werden.“


6. Entwicklung der Tragkraft, Versammlung
a. „… Auf keinen Fall dürfen unter der versammelnden Arbeit natürlicher Gang und Schwung des Pferdes leiden.“

7. Entstehung der Aufrichtung
„ … je kräftiger und geschmeidiger die Muskeln von Rücken und Hinterhand werden, desto weniger wird das Pferd eine Stütze in der Hand des Reiters suchen, vielmehr Hals und Kopf je nach seinem Gebäude mehr oder minder hoch selbst tragen, d. h. sich aufrichten.

8. Gebrauchshaltung
„ … federndem Rücken, losgelassenem Genick und Hals, Nase dicht vor der Senkrechten, bestimmt, aber leicht am Zügel stehen….“

9. Dressurhaltung
a. „ … Bogen, dessen höchster Punkt das Genick ist; der Kopf wird mit seinem vorderen Rande – von Stirn bis Nase – senkrecht getragen. Eine solche Stellung – Dressurhaltung - … darf aber vom Pferde nur im Halten und in versammelten Gängen kurze Zeit gefordert werden. In freieren Gängen muss ihm der Reiter ein Längermachen des gebogenen Halses und ein leichtes Vornehmen der Nase gestatten.“

Auf Seite 46 ff. wird zwischen „Andiezügelstellen“ und „Beizäumen“ unterschieden.
Kauen, Vorwärtsdrang und Anlehnung als Maßstab des Gelingens.
Auf dem Zügel und Hinter dem Zügel ist unerwünscht.

„ … das Pferd …. dadurch zwingen, Kopf und Nase höher zu tragen und die Nase vor die Senkrechte zu nehmen oder den krausen Hals langzumachen.“